Schaeuble liest IT-Branche die Leviten, ein Ueberblick ueber das Risiko Internet
April 28th, 2006
Wie die Tagesschau berichtet hat der Bundesinnenminister Wolfang Schäuble die Initiative "Deutschland sicher im Netz" kritisiert. Es seien umfangreichere und tiefergehende Maßnahmen nötig, denn die Sicherheitslage sei prekär. Lesern des Heise Newstickers oder ähnlichen Seiten ist das nichts neues.
In Anwesenheit des Telekom-Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke sowie Microsoft-Chef Steve Ballmer sagte Schäuble: "Die Internet-Wirtschaft muss ihr Augenmerk vermehrt auf die Sicherheit ihrer Produkte richten." Die Aufklärung der Bürger über Risiken laufe sonst ins Leere. Soweit durchaus richtig und auch berechtigt. Dann wird es aber, in meinen Augen, etwas inkompetent.
Damit meine ich nicht einmal die ausbleibende Unterscheidung von "schwarzen" und "weißen" Hackern sondern dieses Zitat:
“Wer mit seinem Auto am Straßenverkehr teilnimmt, schützt sich durch einen Sicherheitsgurt und eine angemessene Fahrweise. Und wer mit seinem Rechner im Internet surft, muss sich mit wirkungsvoller Software und einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet schützen.”
Genau hier setzt meine Kritik an. Für die Teilnahme am Straßenverkehr ist ein Führerschein nötig! Ins Internet kommt jeder ohne Nachweis irgendwelcher Kenntnisse. Jetzt ist ein solcher Nachweis weder sinnvoll, noch durchsetzbar. Es gibt auch nicht angeschnallte Autofahrer mit unangemessener Fahrweise. Auf jeden Fall nötig ist aber, dass der Bürger um die Gefahren weiß und wie er sich davor effektiv schützen kann. Die Wirtschaft kann und muss dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Dieser muss aber über die Strichzeichnung von Festungsmauern um Computer, wie in der aktuellen Microsoft Werbung, hinausgehen. Obwohl ich diesen Spot täglich vor der Tagesschau sehe, kenne ich nicht einmal die URL die darin genannt wird. Und ich habe sie auch noch nie angesurft.
Sinnvoller und wohl auch effektiver wäre die Grüdung eines Faches Medienpädagogik, wie schon in meinem Artikel Handy-Verbot an Bayerns Schulen? vorgeschlagen. Darin liese sich problemlos die Thematik Internet einbinden.
Die Wirtschaft muss zweifelsohne mehr Augenmerk auf sichere Software legen. Jedoch ist Sicherheit primär eine Designentscheidung. Ist das Design schlecht hilft auch noch so sorgfältiges programmieren nicht. Und derzeit wird vor allem der viel gescholtene Microsoft Internet Explorer nur immer wieder gepatcht, anstatt die eigentlichen Probleme, wie die tiefe Integration ins Betriebssystem, anzugehen.
Man darf auch nicht vergessen, dass der Bereich Sicherheit mittlerweile ein mächtiger Industriezweig geworden ist, der an der Unsicherheit der Benutzer sehr gut verdient. Es wird einem gesagt, dass Software wie Virenscanner, eine Personal Firewall und ein Spyware Tool absolute Pflicht seien. Im Einzelfall stimmt das auch. Nur reißt genau derartige Software selbst teilweise große Lücken.
Ebenso problematisch: die Phisingwelle. Diese Mails werden immer rafinierter und sind teilweise äßerst seriös gemacht. Ich mache einem normalen Internetnutzer da fast keinen Vorwurf mehr. Auch hier trägt die Wirtschaft, allen voran die Banken eine nicht unerhebliche Teilschuld. Obwohl vor Jahren progagiert hat die digitale Signatur noch nicht Einzug gehalten. E-Mails sind nicht signiert, um dem Benutzer Echtheit zu garantieren. Teilweise versenden Firmen wie PayPal, oder eBay selbst E-Mails mit ähnlich lautenden Anweisungen. Und wir haben es bei Phishing nur mit einer Vorstufe zu tun!
Beim sogenannten Pharming wird mittels DNS Cache Poisoning, das DNS so manipuliert, dass der Nutzer auch bei manueller Eingabe von www.meine-bank.de auf einer fremden Seite landet. Und das kann selbst ein Profi nicht mehr ohne weiteres erkennen.
Die Liste mit Sicherheitsrisiken im Internet liese sich problemlos weiter fortsetzen. Wenn die Nutzer aber ein Mindestmaß an Wissen um Sicherheit im Netz haben, würde ein beachtlicher Teil dieser Risiken hinfällig. Und das Vertrauen in das Medium Internet könnte wieder steigen. Wie dieses Wissen jedoch vermittelt werden soll ist das eigentliche Problem. Und mir ist leider auch kein Königsweg bekannt. Allerdings bin ich nach wie vor der Ansicht, dass in der Schule begonnen werden muss.
Entry Filed under: IT und Wissenschaft
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